
Facebook’s automatische Gesichtserkennung
Es ist soweit – was ich vor ca. einem Jahr schon mal vermutet habe, verhärtet sich. Damalige Annahme: “Es wird nicht mehr lange dauern, da erkennt Facebook automatisch, dass jemand auf einem Foto abgebildet ist. Aufgrund dieser Erkennung wird Facebook anhand von Freundeslisten, bereits manuell markierten Fotos und anhand von Berechnungen versuchen, das Foto automatisch zu markieren!”
Zurück zum Urspung dieses Gendankens: Als Apple vor geraumer Zeit die neue Version von iPhoto vorgestellt hatte. Die neue Version hatte ein absolut tolles Feature: Automatische Gesichtserkennung mit Lern-Modus. Diese Bildverwaltungssoftware soll irgendwann genügend Daten über ein Gesicht haben, dass es das Gesicht automatisch erkennen kann. Soweit ja nicht wirklich problematisch – ganz im Gegenteil: Ein wirklich tolles Featuer. Per Klick werden ein Großteil meiner Bilder automatisch erkannt und ich kann einfache Smart-Galerien machen, die nur die bestimmten Personen zeigen. Eine Weitereentwicklung dieses Features hab ich in Aperture gefunden – eh klar – die Pro-Version von iPhoto kann das natürlich auch!
Sorgen bereitet mit allerdings jetzt Facebook. Mit einer lokal installierten Software ist das ja alles gut und recht – diese Software macht genau das was ich will und genau zu dem Zeitpunkt, an dem ich das will. Per Mausklick eben. Wenn jetzt allerdings Facebook damit beginnt, automatisch Gesichter zu erkennen und eventuell in Kürze auch automatisch markiert, dann hört sich der Spass definitiv auf. Ich will nicht, dass Facebook weiß wann, wo und wie ich auf einem Foto abgebildet bin.
Den Personenschutztechnischen Wildwuchs kann man sowieso nicht eindämmen – das ist mir klar. Es sind mir die Umstände bewusst, wie peinliche oder unpassende Fotos entstehen. Teilweise kann man was dafür, teilweise nicht. Jedes einzelne Foto jedoch zu markieren, damit jeder in meinem verdrahtetem sozialen Umfeld davon weiß muss nicht unbedingt sein.
Und genau das will offensichtlich Facebook. Es ignoriert die Schizophrenie eines jeden (und unter uns gesagt, jeder einzelne hat zwei oder mehrere Gesichter – niemand ist gegenüber jedem gleich) und wirft uns in einen Topf, verarbeitet uns zu einer breiigen Masse die nach Gleichgültigkeit stinkt und erwartet ein Gejubel über neue Features.
Aber wer macht sich nun wirklich Gedanken darüber, inwiefern diese Vorstellung gegen die Grundsätze eines jeden Menschen verstößt? Wir sind an einem Punkt angelagt, an dem wir nicht mehr “nur” gläsern sind. Wir sind verkabelt, deanonymisiert und jederzeit auffindbar. Wir werden kontrolliert, überwacht und analysiert. Jeder Schritt, jede Bewegung, jede Handlung und Aussage – es wird erfasst, verarbeitet, markiert und getaggt und unlöschbar gespeichert. Wunderbare soziale Welt…
